Mietvertrag-Vorlage: Worauf Vermieter bei Mustern achten sollten

Mietvertrag & Zusammenleben · Stand: 24. September 2026

Kurz gesagt

Eine Mietvertrag-Vorlage ist eine gute Grundlage, wenn sie aktuell ist und zur Vermietung passt. Weil Muster als Formularverträge gelten, prüfen Gerichte ihre Klauseln streng: Veraltete Regeln zu Schönheitsreparaturen, Kleinreparaturen oder Kaution sind unwirksam und fallen ersatzlos weg. Vermieter sollten ein kostenloses Muster deshalb vor dem Ausdrucken auf Stand und Inhalt prüfen und an die Wohnung anpassen.

Warum ein Muster streng geprüft wird

Wer eine vorformulierte Vorlage verwendet, stellt Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) – also Vertragsbedingungen, die für viele Verträge gedacht sind. Solche Klauseln sind unwirksam, wenn sie den Mieter unangemessen benachteiligen oder unklar formuliert sind. Das gilt auch für private Vermieter, die nur eine Wohnung vermieten.

Die Folge einer unwirksamen Klausel: Sie fällt ersatzlos weg, und es gilt das Gesetz. Eine unwirksame Renovierungsklausel wird also nicht auf ein zulässiges Maß zurückgestutzt – der Vermieter muss dann selbst renovieren. Welche Punkte ein Mietvertrag überhaupt enthalten sollte, fasst der Artikel Mietvertrag: Was drinstehen muss zusammen.

Mietvertrag kostenlos ausdrucken: Diese Punkte vorher prüfen

Kostenlose Muster aus dem Internet sind häufig mehrere Jahre alt. Die Rechtsprechung zu Mietvertragsklauseln hat sich in dieser Zeit deutlich verändert. Vor dem Ausdrucken lohnt ein Blick auf folgende Punkte:

  • Stand der Vorlage: Ist ein Datum angegeben, und berücksichtigt das Muster aktuelle Rechtsprechung?
  • Schönheitsreparaturen: Starre Fristen wie „alle drei Jahre Küche und Bad“ sind unwirksam (BGH, Urteil vom 23.06.2004, VIII ZR 361/03).
  • Kleinreparaturen: Die Klausel braucht einen Höchstbetrag je Reparatur und pro Jahr.
  • Kaution: Mehr als drei Nettokaltmieten sind nicht zulässig (§ 551 BGB).
  • Kündigungsfristen: Längere Fristen für den Mieter als drei Monate sind unwirksam.
  • Nebenkosten: Umlegbar sind nur Betriebskosten nach der Betriebskostenverordnung; „sonstige“ Kosten müssen einzeln benannt sein.
  • Haustiere: Ein generelles Verbot von Hunden und Katzen hält in einem Formularvertrag nicht.

Welche Vorlage passt zu welcher Vermietung?

SituationWorauf die Vorlage eingehen muss
Normale Wohnung, unbefristetStandardvertrag mit gesetzlichen Kündigungsfristen
Befristete VermietungSchriftlicher Befristungsgrund nach § 575 BGB, sonst gilt der Vertrag als unbefristet
WohngemeinschaftAlle als Hauptmieter oder Einzelverträge – siehe WG-Mietvertrag-Muster
Untervermietung durch den MieterEigener Vertrag zwischen Haupt- und Untermieter – siehe Untermietvertrag
Möblierte WohnungInventarliste, Regeln zur Möblierung – siehe Möbliert vermieten
Staffel- oder IndexmieteStaffeln als Geldbetrag bzw. Kopplung an den Verbraucherpreisindex

Für Wohnungen in Gebieten mit Mietpreisbremse sollte die Vorlage außerdem Raum für die Auskunft über Ausnahmen bieten, etwa über eine höhere Vormiete. Diese Auskunft muss der Vermieter vor Vertragsschluss unaufgefordert geben (§ 556g BGB).

Muster: Das Grundgerüst eines Wohnungsmietvertrags

Das folgende Gerüst zeigt die Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat. Es ersetzt keinen vollständigen Vertrag, hilft aber, eine Vorlage auf Lücken zu prüfen.

Gliederung Mietvertrag über Wohnraum
Mietvertrag über Wohnraum

zwischen (Name und Anschrift des Vermieters) – Vermieter –
und (Namen und bisherige Anschrift aller Mieter) – Mieter –

§ 1 Mietsache: Wohnung in (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort), (Geschoss, Lage), bestehend aus (Zahl) Zimmern, Küche, Bad, Wohnfläche ca. (Fläche) m². Mitvermietet: (Keller, Stellplatz, Einbauküche).

§ 2 Mietzeit: Das Mietverhältnis beginnt am (Datum) und läuft auf unbestimmte Zeit.

§ 3 Miete: Nettokaltmiete (Betrag) €, Vorauszahlung auf die Betriebskosten (Betrag) €, Gesamtbetrag (Betrag) € monatlich, zahlbar spätestens am dritten Werktag des Monats auf das Konto (Bankverbindung).

§ 4 Betriebskosten: Der Mieter trägt die Betriebskosten im Sinne der Betriebskostenverordnung, (Umlageschlüssel).

§ 5 Kaution: (Betrag) €, zahlbar in drei gleichen Monatsraten.

§ 6 Schönheits- und Kleinreparaturen: (wirksame Regelung oder Verzicht)

§ 7 Untervermietung und Tierhaltung: (Regelung)

§ 8 Anlagen: Hausordnung, Übergabeprotokoll, (weitere Anlagen)

(Ort, Datum)
(Unterschrift Vermieter) (Unterschriften aller Mieter)

Die Vorlage richtig ausfüllen

  1. Alle Vertragsparteien mit vollständigem Namen eintragen – bei Paaren beide, wenn beide Mieter werden sollen.
  2. Die Wohnung eindeutig beschreiben und mitvermietete Räume und Einrichtung aufzählen.
  3. Miete und Vorauszahlung getrennt ausweisen; die Kaution an der Nettokaltmiete ausrichten.
  4. Nicht passende Klauseln sauber streichen statt sie stehen zu lassen – widersprüchliche Regelungen gehen zulasten des Vermieters.
  5. Handschriftliche Ergänzungen von beiden Seiten abzeichnen lassen.
  6. Anlagen im Vertrag benennen und fest mit ihm verbinden.

Ob der Vertrag anschließend auf Papier oder elektronisch unterschrieben werden kann, erklärt der Artikel Mietvertrag digital unterschreiben.

Beispiel: Wenn eine Muster-Klausel wegfällt

Beispiel

Veraltetes Muster mit starrem Fristenplan

Ein Vermieter nutzt ein altes Muster, nach dem der Mieter Küche und Bad alle drei Jahre streichen muss. Beim Auszug nach sechs Jahren verlangt er 1.200 € für einen Maler. Weil die Klausel einen starren Fristenplan enthält, ist sie unwirksam. Der Mieter schuldet die Renovierung nicht, der Vermieter trägt die 1.200 € selbst. Mit einer aktuellen Vorlage oder einem bewussten Verzicht hätte er von Anfang an gewusst, woran er ist.

Weitere Muster rund um das Mietverhältnis

Auch im laufenden Mietverhältnis helfen Vorlagen, Formfehler zu vermeiden. Für eine Mieterhöhung gibt es den Artikel Mieterhöhungsverlangen: Muster, für eine einvernehmliche Trennung den Aufhebungsvertrag und für die Beendigung durch den Vermieter Kündigung durch den Vermieter. Wer einen fertigen Vertrag vor der Unterschrift durchsehen will, findet eine Checkliste unter Mietvertrag prüfen.

Häufige Fragen

Sind kostenlose Mietvertrag-Vorlagen rechtlich in Ordnung?

Das hängt vom Stand und vom Anbieter ab. Viele kostenlose Muster sind veraltet und enthalten Klauseln, die nach heutiger Rechtsprechung unwirksam sind. Ein Datum auf der Vorlage und der Abgleich mit den oben genannten Punkten helfen bei der Einschätzung.

Darf ich eine Vorlage verändern?

Ja, Vermieter und Mieter können Klauseln streichen, ergänzen oder individuell aushandeln. Änderungen sollten klar formuliert und von beiden Seiten abgezeichnet werden. Zwingende Mieterschutzvorschriften lassen sich aber auch durch Änderungen nicht aushebeln.

Reicht ein Mietvertrag mit nur einer Seite?

Die Länge ist nicht entscheidend. Wirksam ist auch ein kurzer Vertrag, solange Parteien, Wohnung, Miete und Beginn feststehen. Fehlt eine Regelung zu Nebenkosten oder Kaution, kann der Vermieter diese aber nicht verlangen.

Brauche ich für ein Zimmer in einer WG eine andere Vorlage?

Ja, eine Wohngemeinschaft braucht Regelungen dazu, wer Mieter ist und wie ein Wechsel der Bewohner abläuft. Ein Standardvertrag für eine Familie deckt das nicht ab.

Rechtsgrundlagen

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage (Stand: 24. September 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen Mietervereine, Eigentümerverbände oder eine Fachanwältin bzw. ein Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. Wie unsere Artikel entstehen

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