Gibt es eine Werbungskostenpauschale für Vermieter?

Steuern für Vermieter · Stand: 24. September 2026

Kurz gesagt

Nein, für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 21 EStG) gibt es keine allgemeine Werbungskostenpauschale. Anders als Arbeitnehmer erhalten Vermieter keinen automatischen Pauschbetrag. Jede Ausgabe muss einzeln angesetzt und auf Nachfrage belegt werden. Es gibt nur einzelne Vereinfachungen, etwa einen gesetzlichen Kilometersatz für Fahrten oder die Freigrenze bei vorübergehender Untervermietung.

Warum es für Vermieter keine Pauschale gibt

Mieteinnahmen gehören zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung nach § 21 EStG. Versteuert wird der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten, mit dem persönlichen Steuersatz. Ein eigener Freibetrag für Mieteinnahmen existiert nicht, und auch eine pauschale Kostenabrechnung sieht das Gesetz für Vermieter nicht vor.

Viele verwechseln das mit dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Diesen Betrag zieht das Finanzamt bei Arbeitslohn automatisch ab, auch ohne Belege. Er gilt aber ausschließlich für Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit und lässt sich nicht auf die Vermietung übertragen. Wer eine Wohnung vermietet, muss seine Kosten also konkret ermitteln. Welche das sind, zeigt der Artikel Werbungskosten bei Vermietung.

Anlage V: Kein Feld für pauschale Werbungskosten

In der Anlage V gibt es keine Zeile, in die ein Pauschalbetrag eingetragen werden könnte. Die Werbungskosten werden dort nach Kostenarten getrennt erfasst: Schuldzinsen, Abschreibung, Erhaltungsaufwand, umlagefähige Betriebskosten, nicht umlagefähige Kosten und sonstige Werbungskosten. Für jede vermietete Immobilie wird eine eigene Anlage V ausgefüllt.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bietet der Artikel Anlage V ausfüllen. Wie umgelegte Nebenkosten auf der Einnahmen- und Ausgabenseite erscheinen, erklärt Umlagen in der Anlage V.

Diese Vereinfachungen gibt es trotzdem

VereinfachungWas sie bedeutet
Pauschaler Kilometersatz für FahrtenFahrten zum Mietobjekt können mit einem gesetzlichen Satz je Kilometer angesetzt werden, ohne die Autokosten einzeln nachzuweisen
Freigrenze bei UntervermietungEinnahmen bis 520 € im Jahr aus vorübergehender Untervermietung von Räumen der selbst genutzten Wohnung müssen nicht versteuert werden (R 21.2 EStR)
Geringwertige WirtschaftsgüterGünstige Einrichtungsgegenstände unterhalb der gesetzlichen Wertgrenze sind sofort absetzbar statt über Jahre
Verteilung von ErhaltungsaufwandGrößere Reparaturen an Wohngebäuden können auf zwei bis fünf Jahre verteilt werden (§ 82b EStDV)

Wichtig bei der Untervermietungsregel: Die 520 € sind eine Freigrenze, kein Freibetrag. Liegen die Einnahmen darüber, ist der gesamte Überschuss steuerpflichtig, nicht nur der Teil oberhalb der Grenze. Die Regel gilt außerdem nur für vorübergehende Untervermietung in der selbst bewohnten Wohnung, nicht für eine dauerhaft vermietete Wohnung. Mehr dazu unter Zimmer vermieten und Steuer.

Wie Fahrten zum Objekt genau berechnet werden und wann statt des Kilometersatzes nur die Entfernungspauschale gilt, erklärt der Artikel Fahrtkosten zur vermieteten Wohnung.

Kleinbeträge ohne Beleg: Was das Finanzamt oft akzeptiert

Für kleinere Ausgaben wie Porto, Telefon, Kontoführung oder Büromaterial fehlen oft einzelne Quittungen. Viele Finanzämter akzeptieren hier eine glaubhafte Schätzung in angemessener Höhe, ohne jede Position einzeln zu prüfen. Einen Rechtsanspruch auf einen bestimmten Betrag gibt es aber nicht, und das Finanzamt kann Nachweise verlangen.

Nicht verwechseln: Pauschalen im Mietvertrag

Mit einer steuerlichen Werbungskostenpauschale hat eine Betriebskostenpauschale im Mietvertrag nichts zu tun. Zahlt der Mieter eine feste Pauschale für Nebenkosten, ist sie für den Vermieter eine Einnahme. Die tatsächlich gezahlten Betriebskosten setzt er als Werbungskosten ab. Dasselbe gilt für Vorauszahlungen, über die jährlich abgerechnet wird.

Auch das Hausgeld einer Eigentumswohnung ist keine Pauschale im steuerlichen Sinn. Die laufenden Bewirtschaftungskosten sind absetzbar, die Zuführung zur Erhaltungsrücklage erst, wenn die Gemeinschaft das Geld für Erhaltungsmaßnahmen ausgibt. Bei Sonderumlagen kommt es auf den Zweck an, siehe Sonderumlage steuerlich absetzen.

Beispiel: Einzelnachweis statt Pauschale

Beispiel

Kosten einer kleinen Mietwohnung

Eine Vermieterin nimmt im Jahr 2026 8.400 € Kaltmiete ein. Sie belegt: Kreditzinsen 1.900 €, AfA 2.200 €, nicht umlagefähige Verwaltungskosten 300 €, Reparatur der Therme 650 €, Fahrtkosten 120 € und Kontoführung, Porto und Telefon 80 €. Zusammen sind das 5.250 €. Steuerpflichtig bleibt ein Überschuss von 8.400 € − 5.250 € = 3.150 €. Ohne die Belege müsste sie auf einen Großteil der Kosten verzichten, eine Pauschale würde sie nicht erhalten.

Praxistipp: So wird der Einzelnachweis einfach

  1. Ein eigenes Bankkonto für Mieteingänge und Vermietungsausgaben nutzen.
  2. Rechnungen sofort nach Objekt und Jahr ablegen, auf Papier oder digital.
  3. Fahrten mit Datum, Anlass und Kilometern laufend notieren.
  4. Die Abschreibung für Gebäude und Einrichtung einmal berechnen und jedes Jahr fortschreiben, siehe AfA für Immobilien.
  5. Zum Jahresende alle Kosten nach den Kostenarten der Anlage V zusammenfassen.

Häufige Fragen

Zieht das Finanzamt automatisch Kosten ab, wenn ich keine angebe?

Nein. Werden in der Anlage V keine Werbungskosten eingetragen, versteuert das Finanzamt die vollen Mieteinnahmen. Es gibt keinen automatischen Abzug wie beim Arbeitnehmer-Pauschbetrag.

Gilt eine Pauschale bei Vermietung unter Nießbrauch?

Nein, auch dort gibt es keine Pauschale. Wer die Mieteinnahmen versteuert, setzt die Kosten ab, die er selbst trägt. Wer das bei einem Nießbrauch ist, erklärt der Artikel „Vermietung bei Nießbrauch“.

Kann ich Werbungskosten nachträglich geltend machen?

Solange der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist, lassen sich vergessene Kosten mit einem Einspruch nachreichen. Danach ist eine Änderung nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Rechtsgrundlagen

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage (Stand: 24. September 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei Streit helfen Mietervereine, Eigentümerverbände oder eine Fachanwältin bzw. ein Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. Wie unsere Artikel entstehen

Vermieten ohne Papierchaos

MietOrdner erfasst Belege per KI, erstellt die Nebenkostenabrechnung und erinnert rechtzeitig an Fristen – kostenlos in der Beta.

Kostenlos starten